Forschungsinteressen:
- Aktuelles Projekt: EmpowerText – Nützliches Sprachwissen für eine verständliche und demokratiefördernde Wissenschaftskommunikation am Beispiel außeruniversitärer Forschungsinstitute (gefördert durch die Hans und Ria Messer Stiftung 2025-2027)
Was ist nötig, damit wissenschaftliches Wissen – sei es das Wissen um grundlegende Zusammenhänge, sei es anwendungsrelevantes Problemlösewissen – schon an den Stellen gut verständlich aufbereitet wird, an denen es entsteht: in den großen Forschungsinstitutionen (Projektfokus: in Deutschland)? Forschungsinstitute wie diejenigen der Max-Planck-, der Helmholtz-, der Fraunhofer- oder der Leibniz-Gesellschaft forschen hochspezialisiert und ganz im Sinne der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Arbeitsteilung. Sie kommunizieren hochprofessionell innerhalb der wissenschaftlichen Community und auch nach außen – aber diese doppelte Spezialisierung führt in vielen Fällen zu einer Wissenschaftskommunikation, die allenfalls noch für den echten Amateur (d.h. den in ein Wissensgebiet ‚Verliebten‘ und damit schon Kenntnisreichen) und Halbexperten verständlich ist. Die zentrale Forschungsfrage des Projekts lautet vor diesem Hintergrund: Wie lässt sich hochspezialisierte Forschung – zumindest über ausgewählte Kanäle – an ein breites Publikum verständlich kommunizieren, um in Gesellschaft und Politik demokratische Teilhabe und informierte politische Entscheidungen zu ermöglichen? Und vor allem: welches Wissen über Sprache, Texte und Kommunikation könnte hier hilfreich sein und müsste dementsprechend selbst wieder gut verständlich und zugänglich für solche Zwecke aufbereitet werden?
Projektteam: Prof. Dr. Nina Janich & Dr. Lisa Rhein (Postdoc) & Gina-Maria Sachse (studentische Hilfskraft)
In Kooperation mit Presseabteilungen von 12 verschiedenen Forschungs-institutionen (MPI, Fraunhofer, Leibniz. Helmholtz)
- Krähen und Kommunen. Diskursive Konflikte zwischen Gesellschaft und Natur. Projekt im Rahmen der RMU-Initiative; zusammen mit Dr. Paul Reszke, JGU Mainz, und Dr. Niklas Simon, TU Darmstadt. Projektlaufzeit: Januar 2026 bis Dezember 2027
Gegenwärtige Gesellschaften müssen durch Prozesse wie z.B. den globalen Klimawandel zunehmend Problemkomplexen begegnen, in denen die Triebkräfte und Motivationen verschiedener menschlicher Akteure (Landwirt*innen, Anwohner*innen, Journalist*innen, Naturschützer*innen, Kommunalpolitiker*innen) und nicht-menschlicher Akteure (Krähen, Falken, Obstbäume, Verwaltungsstrukturen, Landes- und Bundesgesetze) in einem dynamischen Spannungsfeld stehen, das aus Sicht einer Angewandten Sprachwissenschaft zuallererst durch die Analyse und Reflexion semiotischer Prozesse gelöst werden kann: Wie wird eine tote Krähe zum Zeichen? Für was steht dieses Zeichen, an wen ist es gerichtet? Wie kann und wird es neben der beabsichtigten Lesart noch gedeutet und welche neuen Zeichen entstehen dadurch? In der zitierten Schlagzeile wird letztlich ein Übersetzungsproblem zwischen den Akteuren beschrieben und so verwundert es kaum, dass das, was für die einen als legitime Vergrämungsmaßname gilt, für die anderen Grund zur Anzeigeerstattung ist.
Die angerissene „Krähenproblematik“ (so eine Pressemitteilung der Mainzer Ordnungsdezernentin vom 24.6.2025) bildet für unser Vorhaben den Ausgangspunkt für die Schaffung der in erster Linie sprachwissenschaftlich, aber auch transdisziplinär angelegten Forschungsplattform SANE (Signs, Actors, Networks, Ecologies), in der lokal verankerte Probleme und Debatten als Symptome globaler Probleme gelesen, analysiert und auf Basis der Reflexion kommunikativer Dynamiken gelöst werden sollen. Die drei Kernziele der Plattform sind:
• eine Vernetzung mit anderen Forschenden, die an vergleichbaren Problemkomplexen arbeiten
• durch die Nutzung von Blogs, Social Media und öffentlichen Workshops eine stetige Transparenz, Zugänglichkeit und Partizipation am Forschungsprozess durch die Öffentlichkeit
• die theoretische und methodologische Weiterentwicklung der Sprachwissenschaft, insbesondere hin zu problemlösungsorientierten Übersetzungspraktiken zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren
- Diskursraum Wald – zu Verständnis und Vermittlung von Waldnaturschutzmaßnahmen im Spannungsfeld von Klimawandel und Biodiversitätsverlust (gefördert durch das BMEL 2023-2026)
Das Projekt ist ein Teilvorhaben des interdisziplinären Verbundprojekts „Nachhaltiger Waldnaturschutz – nachhaltige Waldkommunikation“ (Sprecherin: Dr. Nadja Simons, FB Biologie)
Zum Forschungsinteresse des Verbundvorhabens: Der Wald ist nicht erst seit den medialen Erfolgen des Försters Peter Wohlleben verstärkt ins öffentliche Interesse gerückt. Medienberichterstattung und das dramatische dürrebedingte Waldsterben zeigen, dass nachhaltiger Wald(natur)schutz zunehmend zu einem wichtigen politischen Thema wird. Dabei konkurrieren verschiedenste Interessen und Haltungen von Klimapolitik und -wissenschaft, Biodiversitätsforschung, Naturschutzverbänden und Forstwirtschaft und führen nicht selten zu Zielkonflikten. Wir sehen hier aber auch mögliche Synergien, weshalb wir in enger natur-, sozial- und geisteswissenschaftlicher Kooperation u.a. folgende Fragen bearbeiten werden: Welchen Stellenwert haben Klima- und Biodiversitätsschutz im Wald, wie werden konfligierende Interessen kommunikativ ausgehandelt und welche Folgen ergeben sich daraus für das gesellschaftliche Urteilen und Handeln und das politische Entscheiden? Wie dynamisch verlaufen Waldnaturschutz und Waldnaturschutzkommunikation in Deutschland in den letzten Jahren mit Blick auf die zunehmende Vertrocknung ganzer Waldgebiete durch die Hitzewellen und Dürren der letzten Sommer? Das Ziel des Projektvorhabens ist es, einen interdisziplinären und anwendungsorientierten Beitrag zum Verständnis nachhaltiger Nutzung des Waldes durch nachhaltige Kommunikation zu leisten und zu dieser doppelten Nachhaltigkeit selbst konstruktiv beizutragen.
Projektteam Verbundvorhaben (Leiter:innen der Teilprojekte):
Dr. Nadja Simons, TU Darmstadt (FB Biologie, Ökologische Netzwerke) (Sprecherin des Verbundvorhabens)
Prof. Dr. Nico Blüthgen , TU Darmstadt (FB Biologie, Ökologische Netzwerke)
Prof. Dr. Nina Janich, TU Darmstadt (FB Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft/Angewandte Linguistik)
Prof. Dr. Markus Lederer, TU Darmstadt (FB Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, Institut für Politikwissenschaft/Internationale Beziehungen) - Kommunikation in epistemischen Krisen
- Wissenschaft – Politik – Öffentlichkeit: Mitarbeit im Projekt Zwischen Elfenbeinturm und rauer See – zum prekären Verhältnis zwischen Wissenschaft und Politik und seiner Mediatisierung am Beispiel der „Corona-Krise“. Diskurslinguistisches Forschungsprojekt von Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt) und Prof. Dr. Kersten Sven Roth (Magdeburg), gefördert 2020-2022 von der Klaus Tschira Stiftung.Mehr erfahren
- Selbstdarstellung und Diskussionsverhalten unter Wissenschaftlern, insbesondere in interdisziplinären Kontexten
- Kommunikation von Nichtwissen und Unsicherheit in der Wissenschaft
- wissenschaftsintern: Projektmitarbeit von 2009-2010: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Kommunikation und Bewertung von Nichtwissen und unsicherem Wissen in Natur- und Ingenieurwissenschaften; interdisziplinäres Projekt von Prof. Dr. Nina Janich, Prof. Dr. Alfred Nordmann (Philosophie) und Prof. Dr. Liselotte Schebek (Umweltwissenschaft), gefördert von der TU Darmstadt.
- wissenschaftsextern: Mitarbeit im DFG-Projekt zur externen Wissenschaftskommunikation „Was können wir (nicht) wissen? Was sollen wir tun?“ Vom Umgang der Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten mit Nichtwissen und unsicherem Wissen in laienadressierten Texten innerhalb des DFG-SPP 1409 Wissenschaft und Öffentlichkeit