Forschungsprojekte

Forschungsprojekte am Fachgebiet Germanistik – Angewandte Linguistik

Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht über die Forschungsprojekte des Fachgebiets.

Das Ziel des Projekts ist es, eine auffällige Forschungslücke in der Erforschung wissenschaftlicher Politikberatung zu schließen. Letztere ist und war bereits vielfach Gegenstand insbesondere verschiedener Sozialwissenschaften. Umso mehr überrascht es, dass bislang kaum linguistische und erkenntnistheoretische Auseinandersetzungen mit politikberatenden Texten als sozio-epistemischer Praxis stattgefunden haben. Die durch das Projekt zu überprüfende Ausgangshypothese ist, dass Wissenschaft, die politikberatend aktiv wird, grundsätzlich in das Dilemma gerät, gleichermaßen wissenschaftliche Glaubwürdigkeit erhalten und politische Wirksamkeit entfalten zu müssen, und dass sich dieses Dilemma je nach wechselseitigen Rollen- und Zuständigkeitserwartungen ver- oder entschärft. Das Erkenntnisinteresse des Projekts richtet sich demnach darauf, wie sich die aktuelle Praxis wissenschaftlicher Politikberatung in Deutschland in Form, Inhalt und Funktion linguistisch und erkenntnistheoretisch genauer bestimmen lässt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Frage, wie sich das Ringen um epistemische Qualität und soziale Legitimierung sprachlich und inhaltlich auf die (Ko-)Konstruktion von Orientierungswissen in politikberatenden Texten niederschlägt. Untersucht werden Texte verschiedener Genres zu den Themen ‚Bioenergie‘ und ‚Wasser‘ aus den letzten 20 Jahren, und zwar vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung: Globale Umweltveränderungen (WBGU), vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) und von der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina).

Das Projekt soll damit einen interdisziplinären Beitrag zur innerwissenschaftlich nicht nachlassenden Kontroverse über die Verantwortung der Wissenschaft im Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen und die öffentliche Kommunikation ihrer Erkenntnisse leisten. Mittelbar soll über die damit ermöglichte kritische Selbst- und Sprachreflexion der Wissenschaft auch zur öffentlichen Legitimierung von Wissenschaft als demokratischer Institution beigetragen werden.

Projektteam (im Aufbau)

Projektleitung
Prof. Dr. Nina Janich (TU Darmstadt) und Prof. Dr. Armin Grunwald (ITAS, KIT Karlsruhe)

Projektmitarbeiter*innen
Dorothee Jahaj, M.A. (TU Darmstadt), N.N.

Studentische Hilfskräfte
Patrick Johnson (TU Darmstadt), N.N.

Das, was seit dem März 2020 in Deutschland und Europa als „Corona-Krise“ bezeichnet wird, besteht bei näherem Hinsehen aus mehreren eng miteinander verwobenen Krisen (epidemiologisch-medizinisch, sozial, politisch, wirtschaftlich). Neben all diesen problematischen Dimensionen stellt die Pandemie die Gesellschaften aber auch vor völlig neuartige kommunikative Herausforderungen: Die Akteursgruppen in Politik, (Natur-)Wissenschaft und Massenmedien sind zur Bewältigung der akuten Herausforderungen zu hochgradig kollaborativem Handeln gezwungen. Sie teilen sich die Aufgabe, trotz aller wissenschaftlicher Ungewissheiten Kernbotschaften in möglichst großer Einstimmigkeit in die demokratisch-pluralistisch verfasste Bürgerschaft zu vermitteln – und dabei womöglich ihre üblichen kommunikativen Aufgaben gegenüber der Gesellschaft zu ändern oder zu überschreiten. Dies erfordert ein Maß an Kooperation, die dem Alltag dieser Akteursgruppen bislang nicht entsprach, und auch die Bürgerschaft ist eine solche Kooperation nicht gewöhnt.

Das Ziel des Projekts ist es, vor diesem Hintergrund Vereinnahmungs-, Instrumentalisierungs- und Abgrenzungsprozesse zwischen Politik und Wissenschaft in der Corona-Krise vor dem Hintergrund ihrer Mediatisierung und im Hinblick auf ihre Folgen für die Legitimität und Glaubwürdigkeit von Wissenschaft/wissenschaftlichem Wissen und Politik/politischem Handeln zu untersuchen.

Das Projekt verspricht damit zum einen kurzfristig praktische Erkenntnisse zur aktuellen Corona-Wissenschaftskommunikation und der prekären Situation derjenigen, die den Elfenbeinturm bewusst, aber vielleicht auch zu unvorbereitet im Blick auf die raue See mit den dort möglichen politischen und medialen Instrumentalisierungen verlassen. Zum anderen bietet es langfristig relevante Ergebnisse zur Wissenschaftskommunikation im Kontext von Gesellschaftskrisen, in denen sich für alle Beteiligten besondere epistemische, legitimatorische und kommunikative Herausforderungen stellen.

Projektteam (im Aufbau):

Leitung

Prof. Dr. Nina Janich (TU Darmstadt) und Prof. Dr. Kersten Sven Roth (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg; Sprecher)

Mitarbeiterinnen
Dr. Sina Lautenschläger (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg), Dr. Lisa Rhein (TU Darmstadt)

Studentische Hilfskräfte
Carolina Eidt (TU Darmstadt), Hannah Meyer (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg), Samantha Schmalenbach (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg), Johanna Welcker (TU Darmstadt)

Gefördert im Rahmen der FONA „Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt“ zum Thema „Wertschätzung und Sicherung von Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“.

Angesichts des fortschreitenden Insektensterbens und zunehmender Biodiversitätsverluste werden derzeit auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt vorgeschlagen, erforscht und durchgeführt. Das interdisziplinäre Projekt BioDivKultur widmet sich in diesem Kontext vor allem dem Insektenschutz auf Grünflächen.

Artenreiche Grünlandflächen (Wiesen und Weiden) sind dafür bekannt, vielen Insekten einen Lebensraum zu bieten. Doch auch in Gärten, Parks, auf Grünstreifen (Ackerränder, Straßenbegrenzung) und Grünflächen des Gewerbes gibt es Lebensräume, welche dem Grünland ähnlich sind und einer großen Anzahl von Insektenarten geeignete Habitate bieten können bzw. könnten. Das Projekt BioDivKultur hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, biodiversitätsfreundliche Gestaltungsoptionen für unterschiedliche Typen von Grünflächen vor dem Hintergrund unterschiedlicher Werthaltungen gegenüber ‚Natur‘ in den Blick zu nehmen. Insbesondere ist die Wirksamkeit unterschiedlicher Schutzstrategien für die Insektenvielfalt bei der Mahd zu untersuchen (Mahdtechnik, -häufigkeit und -zeitpunkt). Das Projekt BioDivKultur, in dem Biolog*innen mit Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen zusammenarbeiten, widmet sich demnach Fragen nach Nutzungsinteressen, Handlungsoptionen und Regulierungsmöglichkeiten (z.B. durch Zertifizierungen) bei der Gestaltung und Pflege von Grünflächen und zielt auf die Förderung von Wissen, Akzeptanz und Umsetzbarkeit eines wirksameren Insektenschutzes.

Projektteam

Projektleiter_innen
Prof. Dr. Nico Blüthgen (FB Biologie/Ökologische Netzwerke; Sprecher), Dr. Nadja Simons (FB Biologie/Ökologische Netzwerke), Prof. Dr. Nina Janich (FB Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften/Germanistische Linguistik), Prof. Dr. Markus Lederer (FB Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften/Internationale Beziehungen), Prof. Dr. Alfred Nordmann (FB Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften/Wissenschafts- und Technikphilosophie)

Wissensvermittlung findet heute zu einem bedeutenden Teil über Medien statt, die in einer kaum zu überblickenden Vielfalt multimodaler Formate versuchen, Sach- und Fachinformationen für ein breites Publikum verständlich und ansprechend aufzubereiten. Insbesondere auch durch die Dynamik der Digitalisierung entwickeln sich ständig neue, interaktive Formen. Medienprodukte, die Wissen popularisieren, sind in den letzten Jahren zunehmend in das Interesse der Multimodalitätsforschung gerückt. Diese fragt danach, wie unterschiedliche semiotische Ressourcen zusammenwirken, um Bedeutung zu generieren. Eine systematische Erfassung der multimodalen Gestaltung von Wissensformaten über exemplarische Analysen hinaus stellt allerdings ein Desiderat dar – diesem Desiderat widmet sich das internationale und interdisziplinäre Netzwerk. Sprecherin ist Dr. Sylvia Jaki, Universität Hildesheim.

Zur Seite des DFG-Netzwerks

Dass die Wissenschaft ihre Glaubwürdigkeit und ihre Forschungspraxis immer wieder erklären, begründen und ggf. sogar verteidigen muss, zeigen aktuelle gesellschaftsübergreifende Debatten. Wissenschaftler*innen sind im Rahmen ihrer Forschung zwangsläufig mit Nichtwissen, Zweifel und Kontroversen konfrontiert. Da über Forschung in der Öffentlichkeit aber in der Regel als Erfolgsgeschichte berichtet wird, ist es keine leichte Aufgabe, Unsicherheiten und Ungewissheiten ebenso transparent zu thematisieren wie abgesicherte Forschungsergebnisse. Ziel des Projekts ist es deshalb, im Gespräch mit erfahrenen Naturwissenschaftler*innen mögliche Kommunikationsprobleme oder Missverständnisse, aber auch gelungene Beispiele des Kontakts mit Wissenschaftsjournalismus und Öffentlichkeitsarbeit zu sammeln. Daraus sollen “kritische Kommunikationssituationen” in der Wissenschaftskommunikation rekonstruiert werden. Wissenschaftsjournalist*innen werden ihre Erfahrungen und Einschätzungen ebenfalls einbringen. Das Ziel ist, mögliche “Kommunikationsstandards” für eine erfolgreiche Wissenschaftskommunikation ableiten und Nachwuchswissenschaftler*innen in den Naturwissenschaften konkrete Hilfestellungen für die Abfassung von entsprechenden Texten geben zu können.

Das Projekt erfolgt in Kooperation mit dem Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik, Karlsruhe) und dem Science Media Center Germany (SMC, Köln).

Projektmitarbeiterin

Maike Sänger, M.A.

Spätestens seit die Europäische Kommission im Jahr 2013 den Einsatz von bestimmten Insektenvernichtungsmitteln, den sogenannten Neonicotinoiden, auf Grundlage eines wissenschaftlichen Gutachtens verbot (2018 noch einmal bestätigt), entbrannte ein Streit zwischen Agrarindustrie, Umweltorganisationen, Imkerverbänden, politischen Parteien und Wissenschaftler*innen darüber, wie die Faktenlage zur Schädlichkeit solcher Wirkstoffe ‚wirklich‘ aussieht. Das Bild, das jede*r dieser Akteur*innen dabei davon zeichnet, ist meist nicht unabhängig von den jeweiligen Zielen, Strategien und Werthaltungen.

Um herauszufinden, wie verschiedene Akteur*innen in diesem Kontext mit wissenschaftlichem Wissen und damit verbundenen Unsicherheiten oder auch Nichtwissen umgehen, untersuchen wir, auf welche Weise sie über wissenschaftliches (Nicht-)Wissen schreiben und wie sie damit argumentative umgehen. Analysegegenstand sind unmittelbare Äußerungen von Akteuren, die diese als Diskussionsbeitrag, Informationsangebot und Programm ins Internet stellen: Pressemitteilungen, Infosheets, Homepage- und Blogartikel werden auf sprachliche Muster hin untersucht, mit denen eigenes und fremdes Wissen behauptet, begründet oder in Frage gestellt wird. Ziel ist es herauszufinden, welche Funktionen diese Sprachmuster im Diskurs erfüllen sollen.

Das Projekt erfolgt in Kooperation mit Prof. Dr. Nico Blüthgen, Ökologische Netzwerke, FB Biologie, TU Darmstadt.

Projektmitarbeiter

Niklas Simon, M.A.

An der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur läuft seit 2012 in Kooperation mit dem Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft (Prof. Dr. Janich, Prof. Dr. Rapp) ein Projekt, initiiert und geleitet von Prof. Dr. Damaris Nübling, Universität Mainz, in dessen Rahmen ein digitales Familiennamenwörterbuch erarbeitet wird. In diesem Projekt wird erstmals ein wesentlicher Teil des Grundbestandes der derzeit in Deutschland vorkommenden Familiennamen (auch der fremdsprachigen) lexikographisch erfasst, sprachhistorisch gedeutet und kartiert. Das der Öffentlichkeit frei zugängliche digitale Wörterbuch wird laufend erweitert und durch namenkundliche Informationen angereichert.

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Das Thema Wissensvermittlung für Kinder ist ein seit Jahren aktuelles Thema, was sich nicht nur in der Begründung immer neuer Sachbuchreihen für unterschiedliche Altersstufen, Kinderzeitschriften und Fernsehformate, sondern auch am Boom von Kinder-Unis und dem zunehmenden Interesse von Wissenschaftsjournalist*innen zeigt. Überraschenderweise sind jedoch die sprachlichen Strategien der außerschulischen Wissens- und Wissenschaftsvermittlung von der sprachwissenschaftlichen Forschung bislang weitgehend unbe¬achtet geblieben. Das Projekt sollte diese markante Forschungslücke schließen. Sprachwissenschaftlich untersucht wurden daher Kinderuni-Vorlesungen, Wissensmagazine für Kinder im Fernsehen sowie Sachbilderbücher/Sachbücher für Kinder daraufhin, welche sprachlichen, inhaltlichen und multimodalen Vermittlungsstrategien gewählt werden und welche Themen- und Medienspezifika sich jeweils nachweisen lassen. U.a. werden Vergleiche zwischen geistes- und naturwissenschaftlichen Themenschwerpunkten gezogen.

Projektmitarbeiterinnen

Maike Sänger (geb. Kern), M.A., Ewa Kanai, M.A.

Publikationen

  • Janich, Nina/Korbach, Bernadette (angenommen): Das Kindersachbuch zwischen Multi-, Trans- und Intermedialität. In: Lenk, Hartmut et al. (Hrsg.): Medien, Kultur, Multimodalität, Intermedialität. [Tagungsband „Kontrastive Medienlinguistik“, Helsinki 2017]. Bern (Sprache – Kommunikation – Medien).
  • Janich, Nina (angenommen): Science revisited. The representation of scientific knowledge and ignorance in the German Kinder-Uni books In: Kramer, Olaf/Gottschling, Markus (eds.): Recontextualization of Knowledge. Boston/Berlin.
  • Janich, Nina (2018): Forscher erklären die Rätsel der Welt. Die Darstellung von Natur- und Geisteswissenschaften in den Büchern „Die Kinder-Uni“. In: Luginbühl, Martin/Schröter, Juliane (Hrsg.): Geisteswissenschaften in der Öffentlichkeit. Linguistisch betrachtet. Bern u.a. (Sprache – Kommunikation – Medien 11). 85-105.
  • Janich, Nina (2016): Zwischen semiotischer Überforderung und lustvollem Verweilen. Multimodalität im Bildersachbuch für Kinder. In: Jaki, Sylvia/Sabban, Annette (Hrsg.): Wissensformate in den Medien. Analysen aus Medienlinguistik und Medienwissenschaft. Berlin (Kulturen – Kommunikation – Kontakte 25), 51–75.
  • Kern, Maike (2016): Kinderwissenssendungen im Fernsehen: Darstellungsformen und Adressierungsstrategien. In: Jaki, Sylvia/Sabban, Annette (Hrsg.): Wissensformate in den Medien. Analysen aus Medienlinguistik und Medienwissenschaft. Berlin (Kulturen – Kommunikation – Kontakte 25), 227–254.
  • Sänger, Maike (geb. Kern) (2017): Zur Funktion des Moderators in wissensvermittelnden Magazinsendungen für Kinder. In: Skog-Södersved, Mariann/Breckle, Margit/Enell-Nilsson, Mona (Hrsg.): Wissenstransfer und Popularisierung. Ausgewählte Beiträge der Tagung „Germanistische Forschungen zum Text (GeFoText)“ in Vaasa. Frankfurt a M. (Finnische Beträge zur Germanistik 35), 137–150.

Im Projekt wurde von sprachwissenschaftlicher Seite untersucht, wie sich das Schwerpunktprogramm als eine Forscherinitiative entwickelt hat, die die Verantwortung im Umgang mit Climate Engineering (CE) als Forschungsthema in den Vordergrund stellt. Es versteht sich als Begleitforschung zum Schwerpunktprogramm, indem Verantwortungskonzepte der beteiligten Wissenschaftler*innen untersucht und der verantwortungsvolle Umgang mit CE-Forschung insbesondere unter den Bedingungen von Ungewissheiten in der Klimaforschung reflektiert wird. Diese Analysen werden von politikwissenschaftlicher Seite in den Kontext des nationalen und internationalen CE-Diskurses eingebettet.

In Kooperation mit Prof. Dr. Daniel Barben, Universität Klagenfurt

Projektmitarbeiterin

Christiane Stumpf, M.A.

Publikationen

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Dem Projekt lag die Hypothese zugrunde, dass städtische Räume neben sonstigen Faktoren wesentlich auch durch sprachliches Handeln konstituiert werden. Dies gilt auch für den von der linguistischen Forschung vernachlässigten Nachhaltigkeitsdiskurs auf der Ebene der Stadt. Dies wiederum bedeutet, dass sich vermutlich einerseits Orte in Städten identifizieren lassen können, die von lokalen Akteur*innen als ‘nachhaltig’ konstituiert bzw. hinterfragt und als Identifikationsangebote ‘vermarktet’ werden. Andererseits spricht viel dafür, dass sich der städtische Nachhaltigkeitsdiskurs selbst als ein Sprechen über Räume und Orte darstellt. Das Projekt hat diese Annahmen im Rahmen eines Städtevergleichs Mainz/Wiesbaden (im Sinne eines „most similar cases design“) geprüft. Ein Schwerpunkt der Analysen lag auf der verwendeten Raummetaphorik.

Projektmitarbeiterin

Viona Niemczyk, M.A.

Publikationen

  • Engels, Jens Ivo Engels/Janich, Nina/Monstadt, Jochen/Schott, Dieter (Hrsg.) (2017): Nachhaltige Stadtentwicklung. Infrastrukturen, Akteure, Diskurse. Frankfurt am Main/New York (Interdisziplinäre Stadtforschung 22).
  • Niemczyk, Viona (2017): Metaphern – Sprachliche Bauten städtischer Nachhaltigkeitskommunikation? In: Engels et al. (Hrsg.): 223-239.
  • Niemczyk, Viona (2017): „Auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft“. Wegmetaphorik und Energiekommunikation in der Nachhaltigkeitsberichterstattung der Stadt Zürich. In: Rosenberger, Nicole/Kleinberger, Ulla (Hrsg.): Energiediskurs: Perspektiven auf Sprache und Kommunikation im Kontext der Energiewende. Bern (Sprache in Kommunikation und Medien 10), 225-240.
  • Niemczyk, Viona (2014): Raumkonstitution und -kognition in und über städtische/r Nachhaltigkeitskommunikation. In: Studentische Projektgruppe Hannover (Hrsg.): Zeit – Raum – Identität. Beiträge der interdisziplinären studentischen Tagung in Hannover vom 25.–27. April 2014. Hannover, 149-176.

Dem Umgang mit wissenschaftlichem Nichtwissen in (populär-)wissenschaftlichen Texten wurde bislang im Rahmen der interdisziplinären ‘Ignorance Studies’ lange Zeit kaum untersucht. Daher richtete sich die Fragestellung des textlinguistischen Projekts darauf, wie Nichtwissen in laienadressierten Texten unterschiedlicher Autor*innen und Fachlichkeitsgrade stilistisch-rhetorisch dargestellt und bewertet wird. Ziel war es zu beantworten, wie eine Reflexion solcher Vertextungsstrategien zu einem umsichtige(re)n Umgang mit Nichtwissen/Unsicherheit in der Wissenschaftskommunikation führen kann. Ein exemplarischer Fokus des Projekts lag auf dem Konfliktdiskurs um ein Projekt zur Eisendüngung der Meere (LOHAFEX 2009).

Projektmitarbeiterin

Anne Simmerling, M.A.

Publikationen

  • Simmerling, Anne/Janich, Nina (2015): Rhetorical functions of a ‚language of uncertainty‘ in the mass media. In: Public Understanding of Science (2016) 25.8. Special Issue „Scientific Uncertainty in the Media“, hrsg. von Hans Peter Peters und Sharon Dunwoody. [first published online: Public Understanding of Science 2015, 1-15. DOI: 10.1177/0963662515606681.]
  • Janich, Nina/Simmerling, Anne (2015): Linguistics and Ignorance. In: Groß, Matthias/McGoey, Lindsay (Eds.): Routledge International Handbook of Ignorance Studies. London/New York, 125-137.
  • Janich, Nina/Simmerling, Anne (2013): „Nüchterne Forscher träumen…“ – Nichtwissen im Klimadiskurs unter deskriptiver und kritischer diskursanalytischer Betrachtung. In: Meinhof, Ulrike/Reisigl, Martin/Warnke, Ingo H. (Hrsg.): Diskurslinguistik im Spannungsfeld von Deskription und Kritik. Berlin (Diskursmuster – Discourse Patterns 1), 65-100.

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Interdisziplinäre Projekte stehen bekanntermaßen vor besonderen Herausforderungen: Die beteiligten Disziplinen verfügen über unterschiedliche Denkstile, eigene Fachsprachen und verschiedene Arbeitsmethoden. Diese Diversität verschafft der jeweiligen Disziplin zwar Identität, doch erweist sich interdisziplinäre Kommunikation dadurch als kompliziertes Vorhaben. Es müssen entstehende Kommunikations¬schwierigkeiten bewältigt werden, um trotz disziplinärer Kompetenzverteilung zu einer (zumindest bis zu einem gewissen Grad) „gemeinsamen Sprache“ und einem produktiven Zugang zu den Wissensressourcen der jeweiligen Partner zu finden. Das Projekt widmete sich daher der Frage, wie Interdisziplinärität in der konkreten wissenschaftlichen Projektkommunikation konkret „funktioniert“. Leitende Fragen dabei waren: Welchen Anspruch verbinden die Projektpartner mit Interdisziplinarität? Wie wird Interdisziplinarität in der Antragstellung konkret ausgehandelt? Wie wirkt sich diese Aushandlung auf die sprachliche Konstitution gemeinsamen Wissens und – womöglich – auf eine gemeinsame Sprache aus? Wie lassen sich kooperative Textproduktionsprozesse im Kontext interdisziplinärer Forschung näher beschreiben? Bezugspunkt war ein interdisziplinäres Projekt zwischen Physikern und Politikwissenschaftlern zur Proliferationsresistenz von Fusionsreaktoren an der TU Darmstadt. Das untersuchte Material war vielfältig und bestand u.a. aus verschiedenen Projektantragsversionen, Mail-Korrespondenz, Interviews mit den Projektbeteiligten und Mitschnitten von Projektsitzungen.

Projektmitarbeiterin

Ekaterina Zakharova, M.A.

Publikationen

  • Janich, Nina/Zakharova, Ekaterina (2014): Fiktion „gemeinsame Sprache“? Interdisziplinäre Aushandlungsprozesse auf der Inhalts-, der Verfahrens- und der Beziehungsebene. Zeitschrift für Angewandte Linguistik 61(1): 3–25.
  • Janich, Nina (2012a): Fachsprache, Fachidentität und Verständigungskompetenz – zu einem spannungsreichen Verhältnis. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP) 41/2: „Sprache und Beruf“, 10-13.
  • Janich, Nina (2012b): „Ich als Physiker“. Zum Zusammenhang von Fachsprache und Fachidentität. In: Voss, Julia/Stolleis, Michael (Hrsg.): Fachsprachen und Normalsprache. Valerio 12, 93-104.
  • Zakharova, Ekaterina (2012): Zwischen Wissensfusion und Interessenspaltung. In: Decker, Michael/Grunwald, Armin/Knapp, Martin (Hrsg.): Der Systemblick auf Innovation. Technikfolgenabschätzung in der Technikgestaltung. Berlin, 459-462.
  • Janich, Nina/Zakharova, Ekaterina (2011): Wissensasymmetrien, Interaktionsrollen und die Frage der „gemeinsamen“ Sprache in der interdisziplinären Projektkommunikation. In: Fachsprache. International Journal of Specialized Communication 3-4, 187-204.